STADT FRANKFURT AM MAIN - TAGESDIENST VOM 4. APRIL 2006
„Zum Borgen gehört Genie“
Zum 150. Geburtstag des einflussreichen Bankmanagers Arthur von Gwinner erscheint ein Hörbuch

Frankfurt am Main (pia) Wenn es jemals den Titel „Diplomat der Bank“ gegeben hätte, wäre er Arthur von Gwinner sicher gewesen. Der gebürtige Frankfurter erwarb sich durch seinen ruhigen und abgeklärten Führungsstil unter anderem als Vorstandssprecher der Deutschen Bank einen international guten Ruf und galt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als der einflussreichste deutsche Bankmanager. Der Sohn einer bekannten Frankfurter Juristenfamilie wurde vor 150 Jahren, am 6. April 1856 geboren.

Schon früh entschied sich Gwinner, dessen Großvater Philipp Friedrich Gwinner 1865 Älterer Bürgermeister von Frankfurt war, für einen Karriere im Bankgeschäft: Nach dem Schulexamen an der Hasselschen Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben und einem Frankreich-Aufenthalt ließ er sich 1874 bei der Mitteldeutschen Creditbank zum Bankkaufmann ausbilden. Danach folgten viele Arbeitsjahre im Ausland, unter anderem in London und in Madrid. Doch Gwinner zog es wieder nach Frankfurt am Main, wo er 1885 Anna Speyer heiratete. Derem Vater gehörte eines der bekanntesten jüdischen Bankhäuser, das  Lazard Speyer-Elissen. Doch anstatt eine Stelle bei seinem Schwiegervater anzunehmen, erwarb er das Berliner Bankhaus Riess & Itzinger und führte es unter eigenem Namen weiter.

So gut „wie ein Fisch im Wasser“ fühlte sich Gwinner nach eigener Aussage, als er mit 37 Jahren das Berliner Bankhaus aufgab und in den Vorstand der Deutschen Bank wechselte. Auch dort zeigte sich sein Faible für das internationale Geschäft. Neben der amerikanischen Eisenbahnfinanzierung widmete sich der Familienvater dem Bau der Anatolischen Bahn und deren Anschlussprojekt Bagdadbahn. Von 1910 bis 1919 war Gwinner Vorstandssprecher der Deutschen Bank und gehörte bis zu seinem Tod am 29. Dezember 1931 ihrem Aufsichtsrat an.

Neben seinem beruflichen Engagement zeigte der Frankfurter, der 1908 das erbliche Adelsprädikat erhielt, auch großes politisches Interesse. Bei seiner Rede im Preußischen Herrenhaus 1910 entstand der berühmt gewordene Ausspruch: „Was die Anleihen angeht so gehört Talent zu allem, zum Borgen aber gehört Genie.“ Gwinners facettenreiche Interessen erstreckten sich von Philosophie und Numismatik über Mineralogie bis hin zur Geologie sowie Botanik. Die Frankfurter Universität verlieh ihm die naturwissenschaftliche Ehrendoktorwürde, die Universität Erlangen ernannte ihn zum Ehrendoktor der Staatswissenschaften.

Zum 150. Geburtstag Arthur von Gwinners hat die Historische Gesellschaft der Deutschen Bank sein Buch „Lebenserinnerungen“ als Hörbuch herausgebracht, das von dem Schauspieler Robert Atzorn gelesen wird. Am Donnerstag, 6. April, 18 Uhr, wird das Buch in der Deutschen Bank, Taunusanlage 12, Großer Vortragssaal (E2), vorgestellt. Kontakt: Deutsche Bank AG, Reinhard Frost, Tel.: 069 / 910-33145
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