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Tee aus Frankfurt - ein Handel mit Tradition

Ein Bockenheimer Unternehmen beliefert die Hotellerie

 

Das Teehaus Ronnefeldt hat seinen Sitz nicht in einer der deutschen Hafenstädte, sondern in einem Hinterhof im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Von hier aus wird der Verkauf der rund 300 Teemischungen gelenkt, die das 1823 gegründete Unternehmen zur Zeit im Angebot hat. Wichtigster Kunde des Frankfurter Unternehmens ist die Hotellerie.

 

Frankfurt am Main (pia/8.11.05) Teeballen sind nicht unbedingt das, was man mit der Bankenstadt Frankfurt verbindet. Doch hat die Mainmetropole eine lange Tradition als Teehandelsplatz. Bereits aus dem Jahr 1726 ist das Teehandelshaus Schmidt belegt, und 1823 wurde das noch heute existierende Teehandelshaus Ronnefeldt in Frankfurt gegründet.


Bild: Teehaus Ronnefeldt aus einer Zeitungsanzeige

Eine dritte Teehandelsfirma, Messmer, wurde vor einigen Jahren verkauft. Die Marke besteht zwar weiter, aber in Frankfurt erinnert nur noch der Name „Messmerhaus“ am früheren Firmengebäude in der Hanauer Landstraße, der großen Ausfallstraße nach Osten, an das Unternehmen.>


Foto: Teehaus Messmer.

 

Das Teehaus Ronnefeldt hat im Westen Frankfurts, im Stadtteil Bockenheim, seinen Sitz. Von hier aus wird noch immer der Teevertrieb gesteuert, während die Produktion inzwischen in größerer Hafennähe, im norddeutschen Worpswede, angesiedelt ist. Das Angebot der Firma mit insgesamt rund 200 Mitarbeitern umfasst etwa 300 Teemischungen, mit denen sie vor allem die Hotellerie beliefert. Noch einmal so viele Mischungen wurden bereits komponiert, sind aber zur Zeit nicht im Angebot.

 

Firmengründer Johann Tobias Ronnefeldt war der Überzeugung, dass man von seiner Heimatstadt, dem zentral gelegenen Frankfurt am Main aus, den besten Zugang zu den Hotels haben würde, die er mit seinen hochwertigen Tee-Kompositionen beliefern wollte. Der reisende Händler bot den Hoteliers nämlich jeweils eine zu dem vor Ort vorhandenen Wasser passende Teemischung an. Vor dem Besuch beim potentiellen Kunden brühte er daher seine Tees zur Probe mit dem örtlichen Wasser auf - und hatte mit dieser Methode Erfolg.

 

Solchen Kundenservice will man im Hause Ronnefeldt noch heute als Geschäftsprinzip sehen, wie Ronnefeldt-Geschäftsführer und Mitinhaber Jan-Berend Holzapfel erläutert. So biete man in Frankfurt-Bockenheim Kurse zum „Tee-Master“ an, bei denen „die Mitarbeiter aus der Hotelbranche lernen, was sie für einen perfekten Tee-Service in ihrem Hotel benötigen“. Denn Tee müsse erklärt werden, „deshalb sind die Kellner für uns die Schlüsselfiguren“. Wem als Vergleich der Sommelier für den Wein einfällt, liegt richtig. Zumindest für Holzapfel gibt es zwischen beiden Getränken viele Berührungspunkte: „Wie beim Wein hängen Geschmack und Qualität vom Boden, dem Wetter und der Verarbeitung nach der Ernte ab.“ Besonders die Verarbeitung nach der Ernte, das Fermentieren, ist beim Tee eine der wichtigsten Produktionsstufen, hier fällt die Entscheidung zwischen Qualitäts- und Massentee. Massentee wird industriell in großen Maschinen fermentiert, während der Qualitätstee per Hand fermentiert wird, wobei wenige Minuten den Unterschied ausmachen, ob ein Tee gelungen ist oder nicht.

 

In der Bundesrepublik Deutschland steht der Tee noch immer im Schatten des Kaffees. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Tee beträgt hierzulande gerade mal ein halbes Pfund im Jahr, und rund 40 Prozent des Heißgetränks werden mit Aufgussbeuteln fabriziert - ein Sakrileg für jeden Teeliebhaber, weil hierfür oftmals die in der Regel minderwertigen Fannings ("Teestaub") verwendet werden. Dass in Ostfriesland mehr Tee getrunken wird als im schnelllebigen Frankfurt, verwundert wiederum nicht allzu sehr. Auf die Frage, warum es in der Mainmetropole wohl keine Teestube mehr gebe, antwortet Geschäftsführer Holzapfel: „Die Banker in Frankfurt wird man wohl nie zu Teetrinkern machen, die haben ja nicht mal die Zeit, um dem Tee die drei Minuten zu geben, die er zum Ziehen benötigt.“

 

Jan-Berend Holzapfel hat das Teehaus Ronnefeldt, das sein Vater 1986 übernommen hatte, in den vergangenen fünf Jahren zu einem international agierenden Unternehmen ausgebaut. 700 Tonnen Tee werden jährlich eingekauft und in der Produktionsstätte in Worpswede verarbeitet und gepackt. Inzwischen konnte das Unternehmen selbst in den Ursprungsländern des Tees, in Japan und China, in Arabien Fuß fassen. In insgesamt 30 Länder liefert das Unternehmen seine Mischungen. „In China und Japan wird unsere Art der Teezubereitung als ‚Tea western-style’ vermarktet“, berichtet der Geschäftsführer, nicht ohne Stolz.

                                                                                               Hermann Wygoda

 

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