«TrikotTausch» - die zwei Seiten der Sportartikel-Produktion

Von Vera Jansen, dpa =

 

   Bremen (dpa) - Der Run auf Trikots und Markenprodukte der großen Sportstars lässt die Kassen klingeln und schraubt den Absatz der Sportartikelhersteller nach oben. Und dort, wo die begehrten Artikel hergestellt werden, in China, Rumänien und Nicaragua laufen vor sportlichen Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft die Nadeln heiß. Doch die Arbeitsbedingungen seien oft katastrophal, berichtet Kristina Kompio von Verein Vamos in Münster. «Minimale Entlohnung, Zwangsüberstunden und kaum Arbeitsschutz sind an der Tagesordnung.»

 

   «Von einem Paar Turnschuhe, das bei uns für 100 Euro verkauft wird, erhält die Näherin gerade einmal 40 Cent», sagt Kompio. Trotz eines harten langen Arbeitstages reiche ihr kärglicher Lohn nur ein Leben unter der Armutsgrenze. Mit den sozialen und ökologischen Problemen rund um die Herstellung von Sportbekleidung beschäftigt sich die Ausstellung «TrikotTausch - Sportbekleidungsproduktion unter der Lupe», die bis zum 17. Februar in Bremen zu sehen ist.

 

   Sie wurde von Vamos zusammen mit der Christlichen Initiative Romero in Münster konzipiert. Beide Organisationen setzen sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern ein. Ziel ist, die Kunden auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Es sei kaum bekannt, dass die Sportartikel und -bekleidung aus Kostengründen fast ausschließlich im Ausland produziert werde, sagt Kompio.

 

   Als erster der großen Sportartikelhersteller hat die Puma AG in Herzogenaurach (Bayern) jetzt mit der «Kampagne für "Saubere" Kleidung» (Clean Clothes Campain) ein Pilotprojekt in El Salvador vereinbart. Die 1990 in den Niederlanden gegründete Kampagne engagiert sich für eine sozial «saubere» Produktion von Kleidung. Inzwischen sind fast 300 Gruppen unter anderem aus den Bereichen Gewerkschaft, Frauen und Dritte Welt Mitglieder, darunter die Christliche Initiative Romero.

 

   «Wir wollten aus der Konfrontation hin zu einer kooperativen Situation kommen und sind sehr froh, dass unsere Bemühungen zum Erfolg geführt haben», sagt der Sprecher der Puma AG, Ulf Santjer. Ziel sei es, sicher zu stellen, dass unternehmerische Verantwortung nicht vor den Toren der Fabriken aufhöre. «Wir haben uns auf den Weg gemacht, aber es ist weiter wie bei einem Marathonlauf.»

 

   Während des einjährigen Projektes werden bei zwei Puma-Herstellern die Arbeitsbedingungen einer unabhängigen Kontrolle unterzogen. Dabei gehe es schwerpunktmäßig um Frauendiskriminierung, Überstunden und Entlohnung sowie Vereinigungsfreiheit, sagt Maik Pflaum von Romero. «Ich hoffe, dass das Projekt nicht zum Alibi verkommt, sondern während der Pilotphase aufgedeckte Mängel bei allen Zulieferfirmen von Puma abgestellt werden.» Zugleich hofft Pflaum auf eine Signalwirkung für andere Sportartikelhersteller. «Vieles lässt sich nur erreichen, wenn alle an einem Strang ziehen.»

 

   Die Problematik ist vielen Markenunternehmen bekannt. So ist die Adidas-Salomon AG schon 1999 der Fair Labor Association (FLA/Hauptsitz Washington/USA) beigetreten. Zu den Mitgliedern gehören nach FLA-Angaben 19 führende Markenunternehmen, darunter neben Adidas auch Puma, Reebok, Nike und Asics. Sie alle haben sich dem Arbeitsplatz-Verhaltenscodex unterworfen. Danach dürften Missstände in den Fabriken eigentlich nicht mehr vorkommen.

 

   Kristina Kompio von Vamos hat für diesen Widerspruch eine einfache

Erklärung: Das seien keine unabhängigen Kontrollen und würden angekündigt. «Dann wird vorher Papier auf die Toiletten gebracht, Handtücher werden verteilt und die Fabrik wird gesäubert.» Maik Pflaum von Romero schränkt etwas ein: «Missstände werden erkannt, aufgezeigt, aber nicht abgestellt.» So gebe es beispielsweise überall Probleme mit Überstunden und Einkommen. «Wenn ich aber an den Löhnen nichts ändere, bleiben es Hungerlöhne.»

 

   Die Ausstellung «TrikotTausch» tourt seit Juni 2005 durch Deutschland. Vom 7. bis zum 17. Februar macht sie in Bremen Station. «Bis zum Sommer sind wir ausgebucht», sagt Kompio.

 

(Internet: www.vamos-muenster.de; www.ci-romero.de)

dpa ja yyni pi

 

 

071127 Feb 06

 

 

 

                                              

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