Simonis beim «Bunten Kreis»: Jedes Kind hat ein Recht auf Gesundheit
von Eva-Maria Mester, dpa

   Lübeck (dpa) Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis hat sich
am Donnerstag in der Lübecker Universitätskinderklinik über die
Arbeit des «Bunten Kreises» informiert - eine Nachsorge-Einrichtung
für schwerstkranke und chronisch kranke Kinder und deren Familien.
Jedes Kind überall auf der Welt habe ein Recht auf Gesundheit und
bestmögliche medizinische Betreuung, sagte Simonis. Die Vorsitzende
von UNICEF Deutschland hatte Ende 2006 die Schirmherrschaft für die
Einrichtung übernommen, die auf Spenden angewiesen ist.

   Die Leiterin des «Bunten Kreises», Karin Groeger, beschrieb die
Probleme der Einrichtung: «Die Krankenkassen zahlen Nachsorge für
Kinder nur in eng begrenzten Fällen. So dürfen die Kinder nicht älter
als 12 Jahre sein und in der Familie müssen mehrere Problemfaktoren
zusammenkommen - wie beengte Wohnsituation, mehrere Geschwister und
fehlende Mobilität. Wenn ein Faktor fehlt, zahlen die Kassen nicht.
Um auch diesen Familien helfen zu können, brauchen wir Spenden.»

   56 Kinder und deren Familien hat der «Bunte Kreis» seit seiner
Gründung im Jahr 2005 betreut. Dabei geht es den Mitarbeitern darum,
den Kindern, ihren Eltern und Geschwistern so viel Lebensqualität wie
möglich zu verschaffen. «Auch ein chronisch krankes oder behindertes
Kind gehört nicht in ein Krankenhaus, sondern zu seiner Familie, weil
alle unter einem Krankenhausaufenthalt leiden», sagt die ärztliche
Leiterin des «Bunten Kreises» und Oberärztin der Uni-Kinderklinik,
Ute Thyen.

   Eine dieser Familien stammt aus Bad Segeberg. Ihr 16-jähriger Sohn
leidet unter dem Seckel-Syndrom, einer Form der Kleinwüchsigkeit, die
mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen einhergeht.
«Wir kämpfen eigentlich ständig mit Behörden und Krankenkasse, der
"Bunte Kreis" ist uns da eine riesige Hilfe», sagt die Mutter.

   Der «Bunte Kreis» versteht sich nicht als Konkurrenz für ambulante
Pflegedienste, betont Groeger. «Wir ersetzen keine Pflegedienste,
sondern stellen Kontakte her, versuchen, den Zusammenhalt in Familie
und Nachbarschaft zu stärken». Zwei feste Angestellte arbeiten mit
Ärzten, Psychologen und Seelsorgern des Klinikums zusammen. Eine
besonders geschulte «Fall-Managerin» ermittelt die individuellen
Bedürfnisse der Familie.

   Die Idee der Nachsorge und Begleitung stammt aus Augsburg, wo das
Modell in den 1990er Jahren entwickelt wurde. In Schleswig-Holstein
gibt es noch einen «Bunten Kreis» in Heide.

(Internet: www.bunter-kreis-deutschland.de)


Erstellt: 02.08.2007 16:08  

   zurück zur Seite Helferinnen und Helfer, Hilfen und Hilfsmittel