Parteiübergreifender «Kampf gegen den Jugendwahn»
Von Carsten Hoefer, dpa
   München - Landtagsvizepräsident Peter Paul Gantzer
(SPD) hat mit Unterstützung von Innenminister Günther Beckstein (CSU)
den «Kampf gegen den Jugendwahn» aufgenommen. Gantzer (68) forderte
am Montag in München die Abschaffung der gesetzlichen Altersgrenze
von 65 Jahren und verlangte größeren Respekt für ältere Menschen. Die
Altersgrenze sei menschenunwürdig und damit verfassungswidrig.
Beckstein (63) stellte bei der Pressekonferenz Gantzers neues Buch
«Alt ist was? - Eine Verteidigung des Alters vor». Für ihn sei
besonders wichtig, wie im Arbeitsleben die Kompetenz älterer Menschen
genutzt werden könne, sagte der designierte Ministerpräsident.

   «Ich bin wütend, wie die Gesellschaft mit älteren Menschen
umgeht», sagte Gantzer. «Wenn man 60 wird, geht's auf die 70 zu, und
man bekommt den Stempel aufgedrückt: Du bist jetzt in der
Auslaufphase.» Gantzers Hauptthese: Nicht die ältere Generation ist
schuld an der Krise der deutschen Sozialsysteme, sondern die
fehlenden Kinder. «Wir leiden nicht an einer Überalterung, sondern an
einer Unterjüngung der Gesellschaft», sagte der passionierte
Fallschirmspringer. «Wir haben in Deutschland eine
Altersdiskriminierung. Der Jugendwahn ist angesagt.»

   Gantzer und Beckstein kennen sich seit Jahrzehnten aus dem
Landtag. Es sei ihm eine Ehre, das Buch zu besprechen, sagte der
Innenminister. «Viele beklagen, dass ältere und alte Leute als Last
und Belastung wahrgenommen werden.» Neben der Analyse der
Sozialversucherungssysteme hat Gantzer auch persönliche Kapitel über
das Älterwerden eingeflochten - einschließlich der Frage nach dem
Liebesleben im Alter. «Die Sexualität habe ich als höflicher Mensch
übersprungen», scherzte Buchkritiker Beckstein.

   Der designierte Nachfolger von Ministerpräsident Edmund Stoiber
umschiffte trotz Nachfragen von Journalisten die aktuelle Debatte um
die Zukunft von Ministerpräsident Edmund Stoiber (65) nach dessen
Abschied aus seinen Spitzenämtern im Herbst. Beckstein betonte
lediglich, die Altersgrenze gelte für Politiker nicht. «Ich
vergleiche mich nicht mit dem Papst, der heute Geburtstag hat. In der
Politik ist die entscheidende Frage, ob man in der Lage ist, die
Aufgaben zu erfüllen.» Persönlich bekräftigte er erneut, vor seiner
tatsächlichen Amtsübernahme nichts über seine Pläne als
Ministerpräsident sagen zu wollen.

   Gantzer äußerte sich klar: «Es sieht so aus, als ob ich diese
Woche meine Bereitschaft erklärte, 2008 nochmal zu kandidieren.» Er
sei der felsenfesten Überzeugung, dass es in den Parlamenten zu wenig
ältere Abgeordnete gebe, betonte der Landtagsvizepräsident. Er habe
in der vergangenen Woche 31 Fallschirmsprünge aus 4000 Metern Höhe
absolviert. «Ich bin völlig fit.»


Erstellt: 17.04.2007 12:13  

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