Mode-Label Affentor kombiniert Design mit sozialem Engagement Von Monika Lembke, dpa

   Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Kombination aus sozialem Engagement, Umweltbewusstsein und ausgefallener Mode wiegt gerade einmal 350 Gramm. Das ist in etwa das Gewicht von «Chou Chou» - der ersten Tasche des Frankfurter Mode-Labels Affentor, für das die ausgefallene Optik seiner Produkte zwar viel, aber längst nicht alles ist. Vor vier Jahren entwarf Eve Merceron die kleine bunte Tasche mit der runden Trageschlaufe. Und mit ihr begann die Erfolgsgeschichte der ausgefallenen Affentor-Taschen, die von arbeitslosen Frankfurter Frauen aus Alttextilien gefertigt werden.

    Seinen Namen verdankt das Label dem Affentorplatz im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. An dieser Stelle stand die Nähwerkstatt, in der die erste «Chou Chou» gefertigt wurde. «Die Tasche kann durch ihr Patch-Work-Muster mit jedem Stil kombiniert werden. Da jedes Exemplar aus anderen Stoffresten gefertigt wird, ist jedes ein Unikat. Sie ist ein pfiffiges Lieblingsstück», beschreibt Merceron ihr Erstlingswerk.

   Auf «Chou Chou», was in Frankreich ein liebevoller Kosename ist, folgten knapp 20 Modelle mit Namen wie «Lily», «Beutel», «Alex» und «Elvis». Je nach Größe und Design kosten sie 19 bis 98 Euro. Die meisten sind nach Freunden der 35-jährigen Designerin benannt, die neben dem Entwerfen eine weitere Leidenschaft hat: ihre Bar Moloko.
Neben Merceron ließen auch zahlreiche andere junge Designer ihre Kreativität an den Namen und den Formen der Affentor-Taschen aus, die mittlerweile samt Näherinnen in die Räume der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Werkstatt Frankfurt umgezogen sind.

   Der blaue Linoleumboden der Nähwerkstatt ist mit Stofffetzen bedeckt, grelles Neonlicht erleuchtet jede Ecke des großen Raumes. 15 Frauen arbeiten in der Geräuschkulisse aus tackernden Nähmaschinen und zischenden Dampfbügeleisen. Die Frauen zwischen 25 und 45 Jahren hören die monotonen Klänge kaum. Sie sind in ihre Arbeit vertieft.
Affentor Frankfurt ist für sie nicht nur ein trendiges Mode-Label mit ausgefallenen Taschen, es ist ein Neuanfang mit Nadel und Faden. Vor ihrer Arbeit in der Nähwerkstatt waren sie lange Zeit arbeitslos. Die emsig nähenden und bügelnden Frauen sind Teilnehmerinnen des Frankfurter Wegs: In Zusammenarbeit mit der Rhein-Main-Jobagentur qualifiziert die Werkstatt Frankfurt Langzeitarbeitslose für einen neuen Beruf - in diesem Fall dem der Modenäherin.

   Von diesem Job hat Claudia Albano-Valenza schon immer geträumt.
Die 43-Jährige sitzt konzentriert über ihrer Dürkopp-Nähmaschine.
Langsam drückt sie das Fußpedal - nicht zu schnell, ansonsten müsste die «Heidi-Tasche» einen neuen orangefarbenen Reißverschluss bekommen. Neun Monate lang hat die gelernte Friseurin als Ein-Euro- Jobberin in der Nähwerkstatt gearbeitet, seit April geht sie dort den «Frankfurter Weg».

   «Für mich ist das eine große Chance. Ich lerne sehr viel und vielleicht kann ich mich ja irgendwann einmal selbstständig machen», sagt Albano-Valenza mit glänzenden Augen, während sie konzentriert Garn einfädelt. 22 Jahre hatte die lebhafte Frau in Italien gelebt.
Als sie 2004 nach Deutschland zurückkehrte, stand sie vor dem Nichts.
Erst Affentor Frankfurt gab ihr und vielen anderen Frauen eine neue Perspektive.

   Was mit einer ambitionierten jungen Designerin, ein paar alten Stoffstücken, arbeitssuchenden Frauen und der Tasche «Chou Chou» begann, ist heute eine trendige Mode-Marke mit vielfältigen Accessoires, die sogar nach Japan verschickt werden. 1000 Taschen werden etwa pro Jahr in den rund 20 Geschäften in ganz Deutschland und im Internet verkauft. Affentor Frankfurt rechnet dieses Jahr mit 180 000 Euro Jahresumsatz. Die Frankfurter Idee aus Design und sozialem Engagement zeigt aber neben guten Umsatzzahlen vor allem
eins: Mode kann nicht nur chic, sondern auch sinnvoll sein kann.

(Internet:www.affentor.de)


Erstellt: 23.09.2006 20:30   20:31