(dpa-Expertengespräch)
Mit sozialem Grunzen zum «Knigge-Schliff» am Telefon =

   Essen (dpa/lnw) Auch ein gekonnt vorgetragenes «soziales
Grunzen» kann einem geschäftlichen Telefonat den letzten «Knigge-
Schliff» geben. «Viele machen den Fehler, dass sie am Telefon über
längere Zeit gar nichts sagen», so der Essener Benimm-Trainer Michael
Klein in einem Gespräch mit der Deutschen-Presse Agentur dpa. Wichtig
sei jedoch, dass das Grunzen entspannt vorgetragen werde, nicht etwa
hetzend.

   Gutes Benehmen ist in deutschen Büros nach den Erfahrungen des
Trainers zunehmend gefragt. Kunden der «Knigge-Akademie» seien auch
viele Großunternehmen, die ihre Beschäftigten vom Auszubildenden bis
hin zum Manager zum Benimm-Training in der Gruppe oder auch zur
privaten Einzelstunde schickten.

   Wichtig sei es im Gespräch, Anteilnahme am Gegenüber zu zeigen.
Dabei signalisierten Rückfragen, Wiederholungen des soeben Gesagten
und auch Notizen während des Gesprächs ein anhaltendes Interesse. Bei
Beschwerden rät der Experte, erst Mitgefühl mit den Problemen des
Anrufenden zu signalisieren. Dann könne man gemeinsam das «Tal der
Tränen» auf der Suche nach einer Lösung verlassen.

   Klassische Büro-Floskeln gelten unter Benimm-Experten mittlerweile
oft als Fehltritt. «Wenn es am Telefon heißt: "Herr Müller ist
aushäusig", so hat das nichts mit Knigge zu tun», sagt Klein. Auf dem
Index stünden auch «Rücksprache halten» und «Mahlzeit». Wichtig seien
vielmehr konkrete Auskünfte statt nichtssagender Floskeln. Aber auch
dabei existierten Grenzen: «Dass Herr Müller gerade auf der Keramik
sitzt, will niemand wissen», so der Experte.

   Manche Knigge-Regeln wie etwa der Verzicht auf klingelnde Handys
in Restaurants, in Zügen und bei geschäftlichen Besprechungen, seien
dabei nur noch schwer umzusetzen. Notfalls könne man ja die Hand auf
die Muschel legen und möglichst leise in der Hörer sprechen, sagte
Klein. Völlig in Ordnung sei jedoch zum Abschluss des Gesprächs auch
ein lockeres «Tschüß» statt eines formalen «Auf Wiederhören».

Gespräch: Uta Knapp, dpa


Erstellt: 01.07.2007 16:04

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