Mit Gong und Tastplänen wird die Staatskanzlei für Blinde erlebbar


Bild: Hände ertasten das hessische Wappen aus Stuck

   Wiesbaden (dpa/lhe) - Die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden hat
als erstes Regierungsgebäude in Deutschland einen speziellen Rundgang
für Blinde und Sehbehinderte eingerichtet. Das historische Bauwerk
mit seinen Räumen und Kunstwerken sei für Blinde erlebbar gemacht
worden, sagte Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bei der Vorstellung
des Projektes am Freitag. Die ertastbaren Gebäudepläne und
erläuternden Broschüren in Blindenschrift hatte die Deutsche
Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg erarbeitet.

   «Das ist ja ein Kunstwerk», sagte die blinde Erika Fleuren, früher
SPD-Landtagsabgeordnete, und strich mit den Fingern über das
Stuckrelief einer Rose. In dem früheren Grandhotel «Rose» seien an
vielen Stellen Rosen als Verzierung angebracht, erläuterte Koch. Alle
lauschten, als hoch über den Köpfen der Gongschlag von Big Ben
ertönte. Das Signal soll die Höhe des fünfstöckigen Treppenhauses
hörbar machen.

   Es gebe eine Fülle von Gesetzen zur Gleichstellung von
Behinderten, sagte der blista-Vorsitzende Claus Duncker: «Aber was
nützt das, wenn man keine Leute hat mit Ideen?» Deshalb dankte er der
Landesregierung ausdrücklich für das Projekt des «ersten politisch-
öffentlichen Gebäudes, das sehbehinderten Menschen einen Zugang
gewährt». Auch der seit 30 Jahren blinde Dieter Müller vom Hessischen
Blinden- und Sehbehindertenbund lobte den neuen Rundgang: «Man hat ja
keine Vorstellung, wie so eine Einrichtung funktioniert.»

   Koch hoffte auf eine Vorbildfunktion des Projekts. «Wir wollen
einen Weg beginnen, der zur Selbstverständlichkeit werden soll»,
sagte er. Auf Betreiben von Bundespräsident Horst Köhler, der eine
sehbehinderte Tochter hat, wird ein ähnliches Konzept für seinen
Berliner Amtssitz, das Schloss Bellevue, erarbeitet.


Erstellt: 31.08.2007 13:26

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