Kulturpreis Deutsche Sprache
Stolz, kokett, in einem feinen schwarzen Kleid, tief dekolletiert, strahlte sie überzeugend in die Kameras. Diese Ausstrahlung fingen auch nichtsehende Menschen ein, wie der blinde Journalist und Publizist Keyvan Dahesch, der zu den Gästen einer Festveranstaltung besonderer Art gehörte.
Cornelia Funke strahlte nicht nur, sondern jonglierte auch erfrischend wild und unbändig mit der Sprache, in Deutsch, obwohl sie in Los Angeles lebt.
Wurde für sie ein Märchen wahr? Für sie, die zu einer international bekannten Geschichtenerzählerin wurde? Es scheint, als habe sie ihre Berufung gefunden. Denn sie kann etwas, was viele Menschen erfreut, vor allem Kinder, Kinder aus 40 verschiedenen Ländern.
Hatte der Jacob ihr Glück gebracht? fragte sie sich als sie vor den zahlreichen Gästen auf der Bühne des Kongress Palais Kassel stand. Der Jacob von dem ihr neues Buch erzählt, der genauso gekleidet sein könnte, wie der Jacob Grimm, der hinter ihr von einer großen Leinwand aus einem goldenen Rahmen verhalten lächelt? Dieser große Märchenerzähler könnte denken: „Schau dich an, du kannst stolz auf dich sein. Ich bin es. Du kannst es, das Schreiben mit Wortwitz, Cham und so viel Phantasie“.
So in etwa könnten die Jurymitglieder der Eberhard-Schöck-Stiftung und des Vereins Deutsche Sprache e.V. gedacht haben, die sie mit dem Jacob Grimm Preis und einem Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro am 31. Oktober 2009 auszeichneten.
Dieser Preis war einer von drei Kategorien, der im Rahmen der Festveranstaltung „Kulturpreis Deutsche Sprache“ in Kassel überreicht wurde.
Der Institutionspreis wurde an die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien vergeben, vertreten durch ihren Ministerpräsidenten Karl-Heinz Lambertz. Damit zeichneten die Jurymitglieder die Bemühungen aus, sich außerhalb Deutschlands für den Erhalt, die Pflege und Verbreitung der deutschen Sprache einzusetzen. Karl-Heinz Lampertz betonte, dass die deutsche Gemeinschaft in Belgien nur einen kleinen Teil der Bevölkerung neben den Flamen und den Franzosen ausmache. Trotz Minderheit fühlten sie sich optimistisch. Das Deutsch werde als Amts-, Schul- und Gerichtssprache verwendet.
Der Initiativpreis Deutsche Sprache mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro ging an den Verein Mensch zuerst e.V., vertreten durch den Geschäftsführer Stefan Göthling.

Das Bild zeigt Stefan Göthling und Frau Felicitas Schöck. Stefan Göthling hält den Initiativpreis empor.
In diesem Verein haben sich Menschen mit Lernschwierigkeiten zusammengeschlossen, um die Vereinfachung der Sprache z.B. in Formularen, behördlichen Schreiben oder auch in Parteiprogrammen zu erreichen. Sie wollen Barrieren, die durch schwierige Sprache entstehen, abbauen und fördern somit einen besseren Zugang zum öffentlichen Leben für mehr Menschen. Zur Umsetzung dieser Ziele hat der Verein eigens ein Lexikon für leichte Sprache erstellt.
Die Laudatio hielt Frau Felicitas Schöck. Sie wies zu Beginn ihrer Rede darauf hin, dass Herr Stefan Göthling bedingt durch seine Lernschwierigkeiten die Erwiderungsrede frei halten werde. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass aus Schwächen Stärken erwachsen können, bekundete sie und tat es ihm nach.

Auch scheinbar Schwächere können zu Vorbildern werden. Welch eine Erkenntnis, könnte dies doch mehr Beachtung in unserer Gesellschaft finden. Menschen mit Behinderungen haben seit dem 26. März diesen Jahres das Recht auf ihrer Seite, denn die UN-Konvention wurde an diesem Tag auch in Deutschland in Kraft gesetzt. Sie manifestiert u.a. das Recht auf:, „Alle Inklusive“. Ein Paradigmenwechsel vollzieht sich. Es geht nun nicht mehr vorrangig darum, diese Menschen zu integrieren, sondern erst gar nicht zu separieren.
Deshalb ist die Arbeit dieses Vereins ein wichtiges Wirken im Sinne dieser Konvention und den Menschen, die an unserer Gesellschaft teilhaben und bestmöglich selbstbestimmt leben wollen.
Kein Mensch gleicht dem anderen, jeder ist anders. Diese Andersartigkeit bringt Vielfalt. Darauf sollten wir nicht verzichten.

Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer und Keyvan Dahesch sind Ehrenmitglieder dieses Vereins. Dahesch ist blind. Er hat aber Fähigkeiten, von denen sich viele wünschten, sie hätten sie.

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08.11.2009
Jutta Bossecker
(Mutter einer Tochter mit Lernschwierigkeiten und Begleiterin von Keyvan Dahesch)


Created: 2009/09/11 08:45 Authorin: Jutta Bossecker
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