Kleinwüchsige Menschen klagen über Große Probleme im Alltag
   Heiligenstadt (dpa) - Der Fahrkartenautomat am Bahnhof ist
unerreichbar, der «Halte-Knopf» im Bus viel zu hoch und das Geldholen
am Bankautomaten schlicht unmöglich. «Bei immer mehr Dienstleistungen
begegnet man statt einem Menschen einem Automaten. Für uns ist das
ein großes Problem, denn meistens sind diese Automaten viel zu hoch
angebracht», sagte Sabine Popp, Mitglied im Bundesvorstand des
Selbsthilfeverbandes Kleinwüchsiger Menschen, im Gespräch mit der
Deutschen Presse-Agentur dpa. Von diesem Mittwoch an treffen sich
rund 100 Mitglieder des Vereins zum Bundeskongress in Heiligenstadt.

   In Deutschland gibt es Schätzungen des Verbands zufolge etwa
100 000 Erwachsene, die kleiner als 1,50 Meter sind und damit als
kleinwüchsig gelten. «Wir sind eine Gruppe, die leider schon aus den
natürlichen Begebenheiten heraus oft übersehen wird», sagte Popp.
Ziel des Kongresses sei es, die Öffentlichkeit über die Probleme der
Kleinwüchsigen zu informieren. «Wir glauben, dass die Situation
besser wird, wenn die Menschen über unsere Probleme Bescheid wissen.»
Rücksicht beginne im Alltag: beim Bäcker oder beim Metzger.

   Gemeinsam mit anderen Behindertenverbänden will sich der Verband
der kleinwüchsigen Menschen für mehr Barrierefreiheit einsetzen. Die
Barrieren würden sich dabei oft an ganz anderen Stellen zeigen, als
von Nicht-Behinderten gedacht, erläuterte Popp. «Ich kann zwar
Autofahren, aber leider nicht in einem Parkhaus parken, denn dort ist
der Bezahlautomat zu hoch angebracht.» Besonders unangenehm sei der
Gang zur Bank: «Bei einem Bankautomaten fragen Sie nicht einfach
einen Fremden, ob er ihre Geheimnummer eingeben könnte.»

   Außerdem fordert der Verband eine bessere Rente für Kleinwüchsige.
«Viele können aufgrund ihrer körperlichen Probleme nicht lange
arbeiten und müssen schon mit 40 in Rente gehen», sagte Popp. Dann
würden sie nicht mehr Geld bekommen als andere Berufsunfähige. «Das
Leben ist als Kleinwüchsiger aber leider sehr teuer: Alleine die
Kleidung in Sondergrößen kostet wahnsinnig viel.» Hinzu kämen weitere
Kosten, die für Normalgroße nicht anfallen. «Ich muss beispielsweise
vom Bahnhof jedes Mal mit einem Taxi nach Hause fahren, weil ich mit
den schweren Koffern nicht Bus fahren kann.»

   Seit 1968 gibt es den Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger
Menschen. Ziel der rund 400 Mitglieder ist neben dem gemeinsamen
Kampf für die öffentliche Wahrnehmung, sich gegenseitig bei Problemen
im Alltag zu unterstützen.

Gespräch: Oliver Hollenstein, dpa


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