(dpa-Interview)

 

Horst Köhler: «Können alle etwas lernen, auch die ohne Behinderung»

         (Bundespräsident Köhler bei den Paralympics) =

 

   Turin (dpa) -

 

   Nach den Sommer-Paralympics in Athen sind Sie als Bundespräsident auch beim Weltfest der Behinderten. Ist das ein Pflichtbesuch oder persönliches Interesse?

    Köhler: «Ich bin sehr gerne hier hergekommen, das war für mich selbstverständlich. Ich war ja auch bei den Olympischen Spielen. Es für mich immer wieder eine Ermutigung, eine Bestärkung zu erleben, wie Sportler mit Behinderung hier nicht nur Leistungswillen und Ergebnisse zeigen, sondern auch Freude und persönliche Befriedigung. Und ich finde, an dieser Freude sollte man einfach teilhaben.»

 

   Sie hatten schon in Griechenland intensive Gespräche mit den Aktiven geführt. Können die Sportler weiter auf Ihre Unterstützung bauen?

   Köhler: «Ich habe gerade mit den Sportlern und Medaillengewinnern gesprochen, es ist schlicht ein Genuss und ich werde mich weiter für diese Sache engagieren. Es gibt noch weitere Dinge, die zu verbessern sind. Und durch diese Erfolge, aber vor allem durch diese Gespräche erleben wir, dass die Sportler diese Unterstützung verdient haben. Da können wir alle etwas lernen, auch die ohne Behinderung.»

 

   Bevor Sie im «International German Club» in Sestriere die Medaillengewinner trafen, waren Sie wie schon beim olympischen Auftaktsieg von Michael Greis beim Biathlon. Was beeindruckte Sie?

   Köhler: «Ich habe gesehen, wie die Biathleten in dem Fall mit Behinderung alles gegeben haben wie auch die Sportler ohne Behinderung. Ich habe gesehen, da ist Leistungswille, da ist Leistungsfreude und da ist eine gute Stimmung im sportlichen Wettbewerb - das ist schlicht schön. Und dann sind sie nach der Ziellinie genauso erschöpft gewesen. Wenn man dann in die Gesichter geschaut hat, diese Freude nach dieser erfolgreichen Anstrengung, dann weiß man, dass dieser Sport den Menschen mit Behinderung sehr viel gibt.»

 

   Sie haben sehr lange mit den beiden blinden Biathleten Verena Bentele und Wilhelm Brem gesprochen. Was gab es für Neuigkeiten?

   Köhler: «Ich bin von beiden sehr angetan. Sie wollen heute ein bisschen feiern, aber nicht so viel, damit die nächsten Wettbewerbe genauso erfolgreich ausfallen. Es war ein sehr gutes Gespräch und ich habe hier erfahren, dass behinderte Sportler eine Initiative für Nichtbehinderte machen. Sie gehen in Schulen und erzählen, wie sie zu der Behinderung kamen und wie sie sie überwunden haben. Sie vermitteln damit, wie man auch durch schwierige Phasen geht und sich trotzdem nicht hängen lässt. So haben beide etwas davon. Und dies geht über den Sport hinaus, deshalb bin ich zwei Mal froh, dass ich hier bin.»

 

   Wie halten Sie sich denn bei dem ganzen Reisestress fit?

   Köhler: «Ich mache relativ viel Sport. ch gehe zwei Mal in der Woche im Winter ins Studio, manchmal sogar drei Mal. Soweit es die Witterung erlaubt, laufe ich draußen so sechs bis acht Kilometer zwei bis drei Mal in der Woche. Ich mache Gymnastik, ich schwimme, ich will mich einfach fit halten.»

                              Aufgezeichnet von Frank Kastner, dpa dpa fk yysn md

 

 

121045 Mrz 06

 

 

 

 

 

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