(Kinostart 7. September)
«Die Hausschlüssel»: Berührende Vater-Sohn-Geschichte Von Johannes von der Gathen, dpa =

   Hamburg (dpa) - Sie begegnen sich wie Fremde: In einem Nachtzug nach Berlin trifft Gianni (Kim Rossi Stuart) zum ersten Mal seinen inzwischen 15-jährigen Sohn Paolo (Andrea Rossi). Der geistig und körperlich behinderte Junge, dessen Mutter bei seiner Geburt starb, wuchs bislang bei einem Onkel auf. Nun muss Paolo zu einer Untersuchung nach Deutschland, und sein bislang abwesender leiblicher Vater begleitet ihn. Steht endlich zu ihm. Allmählich kommen die beiden sich näher. Eine nicht immer einfache Reise nimmt ihren Lauf.

   Der italienische Regisseur und Drehbuchautor Gianni Amelio, der mit großartigen, sozialkritischen Werken wie «Gestohlene Kinder»
(1992) oder «Lamerica» (1994) in den 90er Jahren Furore machte, meldet sich mit diesem subtilen Vater-Sohn-Drama eindrucksvoll zurück. «Die Hausschlüssel» ist ein stiller, eindringlicher Film über zwei Menschen, die sich langsam kennen lernen. Amelio lässt seinen hervorragenden Protagonisten viel Raum und Zeit, sich zu entfalten.

   Dabei erweist sich der intelligente Paolo als durchaus eigenwilliger, mitunter sturer, pubertierender Teenager, der seinen «neuen» Vater keineswegs anhimmelt, sondern lieber stundenlang mit dem «Gameboy» spielt. Aber Paolo findet auch schnell Kontakt zu Fremden, fährt alleine Straßenbahn in Berlin, freundet sich schließlich im Krankenhaus mit der schwerstbehinderten Nadine und deren Mutter Nicole (Charlotte Rampling) an. Von ihr erfährt Gianni viel über Geduld, Liebe und das Leben mit einem Kind, das nicht so ist wie alle anderen.

   «'Die Hausschlüssel' ist kein Film über Behinderung; er erzählt von der Schwierigkeit, das Verschiedenartige zu akzeptieren, und von dem Gefühl der Unzulänglichkeit», sagt Regisseur Gianni Amelio über sein wohltuend unsentimentales, fast lakonisch inszeniertes Drama.
Die Reise von Vater und Sohn führt bis nach Norwegen, wo Paolo seine Brieffreundin besuchen will. Irgendwann auf einer Fähre wirft Gianni die Krücken von Paolo ins Wasser und verspricht, er wolle immer für ihn da sein. Aber ein Happy End ist da noch lange nicht in Sicht.
dpa gat yyon np

051158 Sep 06


Erstellt: 05.09.2006 14:29   Aktualisiert: 05.09.2006 14:29
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