Grantler mit großem Herz: AAutor Max Spiegl legt neues Wiesn-Buch vor
Von Keyvan Dahesch, dpa

Bild: Max Spiegl mit einem Bierglas in der Hand

   München (dpa) - Der Kenner weiß, wie es geht, doch Anfängern
ist es noch gestattet, den Maßkrug mit beiden Händen an den Mund
zuführen. Damit sie dazu überhaupt kommen, erklärt der Mundart-Autor
und München-Experte Max Spiegl gern: «Normalerweise genügt die
höflich vorgebrachte Äußerung "Bitt' schön, i hätt gern a Maß"». Da
die Maß weiblich ist, heißt's danach einfach «Ja no oane». Kurz vor
Beginn des größten Volksfestes der Welt hat Spiegl gemeinsam mit
Hermann Memmel, Helmut Schmid und Bildern von Ernst Hürlimann
«D'Wiesn - Geschichten rund ums Münchner Oktoberfest» herausgebracht.

   Bekannt ist der 73-jährige Spiegl vor allem durch den von ihm
geprägten und gelebten Begriff «S'Münchner Herz» - seit 15 Jahren
initiierte er unter diesem Titel eine Benefizveranstaltung zu Gunsten
von Blinden. In vier Büchern hat Max Spiegl zudem «S' Münchner Herz»
beschrieben - unter dem Motto: «Uns Münchner wenns ned gaab».

   «Max Spiegl schaut seinen Mitmenschen direkt und wenn das nicht
geht, dann eben über die Schulter - ins Herz», sagt Elke Runte,
Pressereferentin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes
(BBSB). Seiner tatkräftigen Unterstützung verdankt die Organisation
etliche Spenden. Kontakte zu blinden Menschen knüpfte Spiegl bei
seinen Lesungen. «Sie konnten sich meine Schilderungen zum Beispiel
des Geschehens im Biergarten - vom Holen des Maßkrugs bis zu den
erwartungsvollen Blicken des Hundes zur Schweinshaxe - genau
vorstellen», erinnert er sich. Seine Bücher leihen sie sich bei der
Bayerischen Blindenhörbücherei auf Kassette aus.

   1934 geboren und aufgewachsen direkt an der Münchner Frauenkirche,
im Haus des «Nürnberger Bratwurstglöckl», ist Maximilian Joseph
Spiegl ein waschechter Münchner: Von der Denk- bis zur Mundart, von
seinem Münchner Herzen bis zum Grantln. «Ich war auch Dom-Ministrant,
"Gasslsauser" und durfte schon als Bub für die elterliche Metzgerei
Lieferungen austragen», erzählt er. Doch das erlernte Metzgerhandwerk
hängte er bald an den Nagel und ließ sich zum Techniker ausbilden. In
diesem Beruf arbeitete er fast 30 Jahre bei der Messegesellschaft.

   Lange vor der Rente begann er zu schreiben und sich für schwächere
Menschen zu engagieren. Seine Geschichten aus dem alten und heutigen
München erzählen von Menschen, die anderen meist Gutes getan haben.
Zu den eindrucksvoll beschriebenen und größtenteils heiteren
Begebenheiten lieferte der Karikaturist Ernst Hürlimann die
Zeichnungen. «Spiegl erzählt nicht nur von guten Taten seiner
Münchnerinnen und Münchner, sondern praktiziert sie auch selbst»,
sagt Runte mit Blick auf die jährlichen Benefizkonzerte zu Gunsten
blinder und stark sehbehinderter Menschen. Unter dem Motto «S'
Münchner Herz wia's singt und klingt» gelingt es ihm, Künstler und
Orchester auf die Bühne im Prinzregententheater zu bringen.

   Damit die Menschen «S' Münchner Herz nicht nur im übertragenen
Sinne spüren, hat Max Spiegl ihm eine Gestalt gegeben: «In ein zwei
Zentimeter großes Messingherz habe ich die zwei Türme der
Frauenkirche eingravieren und es als Patent schützen lassen», erzählt
er. Den Anstecker kann man bei ihm oder im Münchner Rathaus erwerben.

   Für seine Verdienste hat die Stadt Max Spiegl bereits mit der
Medaille «München leuchtet» ausgezeichnet. Der BBSB hat ihm für sein
Engagement die Medaille für hervorragende Verdienste verliehen. Mit
den Worten: «Wenn die Münchner granteln und helfen können, sind sie
gesund», dankte er für die Ehrungen.


Erstellt: 02.08.2007 17:08

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