«Donum Vitae» lässt sich in Streit mit Amtskirche nicht einschüchtern
Von Kathrin Zeilmann, dpa =

   München (dpa/lby) - Eine schwangere Frau, die unschlüssig ist, ob
sie abtreiben oder das Kind bekommen soll: Für die katholische Kirche
ein heikles Thema und ein Problemfall. Aus dem staatlichen System der
Schwangerenkonfliktberatung ist die Kirche schon vor einigen Jahren
auf Druck aus dem Vatikan ausgeschieden. Doch immer wieder gerät die
Laien-Organisation «Donum Vitae», die eigenen Angaben zufolge eine
«katholisch geprägte» Beratung anbietet, aber den zur straffreien
Abtreibung notwendigen Schein ausstellt, ins Visier der Kirchenoberen
aus Rom. Der Grundtenor: Laien könnten sich nicht gleichzeitig für
«Donum Vitae» und für Gremien der Amtskirche engagieren. «Diese neuen
Angriffe haben der Kirche mehr geschadet als uns», sagt die
bayerische Landesvorsitzende Maria Geiss-Wittmann rund fünf Monate
nach Bekanntwerden der neuen Forderungen aus dem Vatikan.

   «Donum Vitae» (Geschenk des Lebens) war von katholischen Laien
Ende der neunziger Jahre als Reaktion auf die Anweisungen aus dem
Vatikan gegründet worden. «Wir lassen uns von unserem Weg nicht
abbringen, wir erfahren hohe Wertschätzung von der Bevölkerung und
besonders von den Frauen, die unsere Hilfe brauchen», sagt
Geiss-Wittmann und ergänzt: «Unser Ziel ist es, Leben zu schützen.»
Von Seiten der Amtskirche vermisst sie «Respekt, Toleranz» und den
Willen zum Gespräch. «Wir hoffen immer noch auf einen Dialog.»

   Die Kirche in Deutschland vermeidet soweit wie möglich konkretere
Aussagen zum Thema. Für die bayerischen Bistümer soll im September
das Katholische Büro Bayern einen Lösungsvorschlag unterbreiten. Die
Schwierigkeit: Wie den strengen Forderungen aus Rom gerecht werden
und wie gleichzeitig keinen Aufstand der Laien provozieren?

   Doch zunächst sollten auf Wunsch der Bischöfe die eigenen
Beratungseinrichtungen der Caritas und des Sozialdienstes
katholischer Frauen (SkF) in den Blickpunkt gerückt werden. Sie
beraten Hilfe suchende Frauen, stellen jedoch keinen Schein aus.
Jüngst suchten oberbayerische SkF-Ortsverbände mit einer Plakat- und
Postkartenaktion die öffentliche Aufmerksamkeit. Mit provokanten
Sprüchen wie «In der Badewanne kann man nicht schwanger werden»
sollte mit Verhütungsmärchen aufgeräumt werden.

   «In respektvollem Abstand» zu «Donum Vitae» wolle man zeigen,
«dass die katholischen Schwangerenberatungsstellen einen eigenen
selbstbewussten Weg gehen, der sich als offenes Angebot versteht, der
sich an keine Bedingungen geknüpft sieht, der sich vor allem aber
immer einem qualitätsvollen, breit gefächerten und fachlich
vernetzten Beratungsangebot verpflichtet weiß», sagt die Münchner
Ordinariatsrätin Elke Hümmeler. In München sei der SkF etwa als
Träger von Mutter-Kind-Häusern und von Frauenhäusern für
gewaltbedrohte Frauen aktiv, unterhalte Tagesstätten sowie Spiel- und
Krabbelgruppen. «Der SkF leistet sexualpädagogische Prävention mit
Kindern und Jugendlichen in Schulen, wo auf der Grundlage von Werten
und einem klaren Persönlichkeitsprofil verantwortungsvoll über Liebe
und Sexualität gesprochen wird. Es gibt eine sozialpädagogische
Betreuung von straffällig gewordenen Frauen und eine intensive Hilfe
und Betreuung obdachloser Frauen», erklärt Hümmeler.

   27 000 Euro pro Einrichtung, so hat die bayerische Staatsregierung
beschlossen, sollen die 23 katholischen Beratungsstellen an Zuschuss
erhalten. Das entspreche rund zehn Prozent des tatsächlichen
Finanzbedarfs, hatte der Münchner Kardinal Friedrich Wetter unlängst
erläutert. Es stelle sich jedoch weiter die Frage, wie die Arbeit der
katholischen Einrichtungen adäquat unterstützt werden könnten. «Es
geht dabei um das Leben ungeborener Kinder. Dies verdient die
deutliche Anerkennung auch des Staates», sagte Wetter.

   In Bayern dürfte das problematische Thema «Donum Vitae» künftig
für weiteren Zündstoff sorgen, da viele CSU-Politiker der engagierten
Laien-Organisation große Sympathien entgegenbringen. Im vergangenen
Herbst gehörten beispielsweise Landtagspräsident Alois Glück, seine
Stellvertreterin Barbara Stamm und Ex-Staatsminister Hans Maier zu
den Unterzeichnern eines Briefes, in dem große Wertschätzung für
«Donum Vitae» zum Ausdruck kam. Die bayerische «Donum-Vitae»-Chefin
Geiss-Wittmann saß für die Christsozialen im Landtag, ihre
Stellvertreterin Maria Eichhorn ist CSU-Bundestagsabgeordnete.


Erstellt: 30.08.2007 16:48  

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