Bundespräsident Köhler als Frontman für den Behindertensport
Von Frank Kastner, dpa

   Mainz (dpa) Bundespräsident Horst Köhler hatte es den Athleten
in die Hand versprochen, und prompt entpuppte sich das
Staatsoberhaupt als Frontman für den Behindertensport. Im «Aktuellen
Sportstudio» stellte der 64 Jahre alte Finanzexperte nicht nur das
«German Top Team» für die Paralympics in Peking, sondern auch die von
ihm akquirierten Großsponsoren für den Behindertensport vor. «Das
Wichtigste ist es, dass behinderte Sportler so viel wie möglich
gemeinsam mit nicht behinderten Sportlern machen können», sagte
Köhler und setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass das Zusammenleben
zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gerade durch den Sport
selbstverständlicher wird.

   Derzeit zählen 42 Athleten zum «German Top Team» für die
Paralympics 2008, darunter die Schwimmerin Kirsten Bruhn, die
Leichtathletin Astrid Höfte und der Radprofi Michael Teuber, die an
der Seite von Köhler vor einem Millionen-TV-Publikum über die
Meisterung ihres Schicksals mit Hilfe des Sports sprachen.
Ursprünglich kamen nur 33 Sportler im Top Team in den Genuss der
speziellen Förderung, doch dank der neu gewonnenen Sponsoren konnte
das Team erweitert werden. Denn der Großteil der gehandicapten
Sportler kann im Gegensatz zu den nichtbehinderten Athleten
keinesfalls von ihrem Sport leben. Dazu kommt ein erhöhter
Trainingsaufwand, der das körperliche Handicap mit sich bringt.
Maximal 2200 Euro kann ein Athlet über die Förderung beziehen. Dafür
wünschen sich die Geldgeber, dass die Behindertensportler in den
Unternehmen Vorträge vor der Belegschaft halten, unter anderem wie
man mit Frust und Zeitproblemen fertig wird.

   Um das nötige Geld für ein solches Projekt zusammen zu bekommen,
hatte Köhler die Vorstandsvorsitzenden von Telekom und Allianz zu den
Paralympics 2006 in Turin eingeladen. «Wie ich waren sie begeistert
von den Leistungen der Athleten und erklärten sich spontan bereit,
unsere Initiative zu unterstützen - und dies mit einer sechsstelligen
Summe über zwei Jahre», meinte Köhler. Doch die Mühlen mahlen
langsam. Noch im vergangenen Sommer hatten sich viele Paralympics-
Sieger über die nicht eingelösten Versprechen vieler Politiker
beklagt.

   Die siebenfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele, wegen einer
genetischen Sehnerv-Schwäche von Geburt an blind, betonte: «Wenn bei
den Großereignissen die Erfolge da sind, werden Versprechungen
gemacht, die sich im Alltag gar nicht umsetzen lassen.» Zudem
forderte sie eine Umstrukturierung der Verbände. «Die Verbände sind
sehr träge. Wir als Biathleten würden uns beim Deutschen Skiverband
viel heimischer fühlen als beim Deutschen Behindertensportverband.
Aber es scheitert an beiden Seiten», meinte sie und sprach dann noch
einmal Klartext: «Ich mache keine Lustveranstaltung. Die ganze
Mitleidsschiene wollen die Leute nicht mehr, damit ließen sich vor 15
Jahren noch Geschichten machen. Ich mache Leistungssport wie andere
Biathleten auch.»


Erstellt: 13.01.2008

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