Erster deutscher Querschnittsgelähmter beim Ironman erfolgreich
Von Annina Reimann, dpa

   Herne (dpa/lnw) - 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss der 42,195 Kilometer lange Marathon bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii: Dafür hat Hannes Köppen vom PV Triathlon Witten Jahre lang trainiert. Der 49-jährige Querschnittsgelähmte qualifizierte sich als erster deutscher Rollstuhlathlet. Er ist damit einer von weltweit fünf Rollstuhlathleten, die das Ticket 2006 lösten haben, um mit 1800

weiteren Athleten - mit und ohne Behinderung - an den Start gehen zu können.

   Schon 2005 bewies Köppen in 11 Stunden und 50 Minuten beim Ostseeman, dass er die Distanz meistert. Seit einem schweren Verkehrsunfall 1986 ist der Sportler aus Herne von der Brust abwärts gelähmt. «Jetzt sind meine Arme meine Beine», sagt er.

   Ohne Helfer und eine gute Vorbereitung geht es nicht: Sportlehrer Carsten Hahn schreibt Trainingspläne, berät und organisiert.
Vereinskollege Klaus Kordel begleitet Köppen beim Schwimmen im Kanal, passt dabei auf den Schiffsverkehr auf. Für seinen sportlichen Traum kämpfte sich Köppen durch bis zu 35 Stunden Training in der Woche:
«Der Gedanke hat mich seit dem Unfall nie losgelassen.»

   Zur Qualifikation flog er nach Lubbock in Texas - und unterbot just den Rekord auf der Radstrecke. Nur in Lubbock ist eine Qualifikation für Rollstuhlathleten möglich.

   Auf Hawaii musste Köppen am 21. Oktober um 2.00 Uhr nachts aufstehen. Ganz schön was los im Hafen beim Start um 7 Uhr:
Hubschrauber kreisten in der Luft, ein Priester spricht den Segen.
«Ich war nervös», erinnert sich der 49-Jährige nach seiner Rückkehr.
Seine Knöchel musste er zum Schwimmen zusammenbinden, die Knie mit Schienen stabilisieren. «Schwimmen ist die größte Herausforderung für den Querschnittsgelähmten. Zwei Assistenten halfen ihm nach einer Stunde und 35 Minuten wieder aus dem Pazifik.

   Statt Rennrad fährt Hannes Köppen ein so genanntes Handbike, das er fast auf dem Rücken liegend bewegt. «Ich habe es zum großen Teil selber entwickelt», erzählt er. Die Räder sind etwas kleiner, die Handkurbel liegt auf Kopfhöhe vor ihm und der Helm schließt mit der Höhe der Hinterräder ab. So kommt er raus aus dem Wind und meistert bis zu 40 Stundenkilometer in der Ebene. «Mir stehen dauerhaft etwa 120 Watt zur Verfügung, das ist etwa ein Drittel von dem, was ein ähnlich trainierter Radfahrer mit seinen Beinen aufbringen kann», weiß er. Auf Hawaii rollte Köppen nach 7 Stunden und 8 Minuten in die Wechselzone und stieg für die Laufdisziplin auf den ebenfalls dreirädrigen Rennrollstuhl um, der an den beiden Hinterrädern mit Handkraft angetrieben wird.

   Der 49-Jährige kämpfte gegen Salzwasser, gegen Wind, Steigungen und vor allem gegen seine allesamt über zehn Jahre jüngeren Konkurrenten. Auf der Strecke machte ein Vereinskollege ihm Mut:
«Akian Aleong ist nur drei Minuten von dir entfernt.» Da hoffte der Deutsche auf einen zweiten Platz. Doch auf der Marathonstrecke im Rennrollstuhl gab es plötzlich einen neuen, unerwarteten Gegner:
Einen platten Reifen. Zehn Kilometer musste er sich so bergauf kämpfen. Die Zuschauer feuerten ihn an, riefen «push! push! push!».
Nach 12 Stunden, 5 Minuten, 25 Sekunden und rund 10 000 verbrannten Kalorien rollte Hannes Köppen als vierter Rollstuhlathlet ins Ziel - aber die Hälfte aller Sportler war da noch auf der Strecke. Zum Vergleich: Weltmeister Normann Stadler aus Mannheim brauchte auf Hawaii 8:11:56. Hannes Köppen trainiert ab Dezember für den Ironman 2007: «Ich will noch mal gucken was drin ist, jetzt konnte ich es mit dem Platten ja nicht zeigen.» dpa


Erstellt: 29.10.2006 20:05      zurück zur Seite Sport ist nicht Mord!