Beckenbauer und Braxenthaler retten Laureus - Sieger nur per Video
Von Andreas Bellinger, dpa
   Barcelona (dpa) - Der «Kaiser» war da und auch Fürst Albert von
Monaco. Selbst König Juan Carlos von Spanien gab sich die Ehre, als
in Barcelona zum achten Mal die Laureus-Awards verliehen wurden. Doch
die Stars neben Franz Beckenbauer, der für sein Lebenswerk die
gläserne Statue bekam, und dem überwältigten Paralympics-Triumphator
Martin Braxenthaler sowie Jelena Isinbajewa fehlten bei der Gala im
Palau Sant Jordi. So mussten die deutschen Sieger die Veranstaltung
mitsamt der Stabhochsprung-Olympiasiegerin aus Russland retten, die
anmerkte: «Voriges Jahr war ich auch hier und nichts ist passiert.
Diesmal hat es geklappt. Das ist echt cool.»

   Die Tennisprofis Roger Federer, der als Erster überhaupt zum
dritten Mal nacheinander Weltsportler des Jahres wurde und sich nur
per Video bedankte, sowie Comeback-Siegerin Serena Williams und die
für ihre ersten Grand-Slam-Siege bedachte Amelie Mauresmo hatten sich
dagegen nicht aufraffen können, den Preis persönlich abzuholen. Auch
der Amerikaner Kelly Slater fehlte als weltbester Action-Sportler,
weil er einen Surf-Wettkampf zu absolvieren hatte. Von der Mannschaft
des Jahres schließlich, den Fußball-Weltmeistern aus Italien, kam
einzig Alessandro Del Piero vom Zweitligisten Juventus Turin.

   «Wir sind eine junge Organisation und machen noch Fehler», sagte
Boris Becker als Gründungsmitglied der Laureus-Akademie am Rande der
Feierlichkeiten in einem Interview mit der dpa. «Aber wir sind auf
einem guten Weg.» Wie schwer es für die Sportler manchmal ist,
während der Saison zu einer solchen Veranstaltung zu kommen, weiß der
dreimalige Wimbledonsieger nur zu genau. Ein anderer Termin wäre ihm
deshalb wünschenswert: «Am liebsten am Ende des Jahres.»

   «Ich wusste gar nicht, was für eine gigantische Veranstaltung das
hier ist», sagte Beckenbauer. Der «Kaiser» ist Gründungsmitglieder
der Laureus-Akademie, doch bei den Festivitäten war der «Regisseur»
des WM-Sommermärchens noch nie gewesen. Seine einstigen Gegnern auf
dem Fußballplatz, der Engländer Bobby Charlton und Johan Cruyff
übergaben ihm den Preis für sein Lebenswerk. Den Affront des im WM-
Finale von 1974 unterlegen Niederländers («Beckenbauer war zu seiner
Zeit einer der besten Fußballer in Deutschland») ließ der «Kaiser»
souverän abprallen und antwortete lässig: «Es ist schön, den Preis
von Sir Bobby und König Johann überreicht zu bekommen.»

   Auf der Durchreise zum Champions-League-Spiel seines FC Bayern
beim AC Mailand genoss Beckenbauer die Auszeichnung, «die etwas ganz
besonderes für mich ist». In seiner Dankesrede wurde das einstige
«Fußball-Genie» (Charlton) aber auch nachdenklich. «Dass Nelson
Mandela Recht hat, wenn er sagt: Sport hat die Macht, die Welt zu
verändern, glaube ich zwar nicht. Aber ich bin sicher, dass der Sport
die Kraft hat, die Welt zumindest zu verbessern.»

   Martin Braxenthaler erhöhte derweil die Zahl der deutschen
Laureus-Gewinner auf fünf. Nur Michael Schumacher (2002/2004), Otto
Rehhagel (2005) und Straßenfußball-Projektleiter Jürgen Griesbeck
(2006) waren vor ihm und Beckenbauer ausgezeichnet worden. «Ich bin
so glücklich und danke allen, die mich unterstützt haben», waren
seine kurzen Worte mit dem Laureus in der Hand. «Ich hätte natürlich
eine lange Rede über die Akzeptanz des Behindertensports halten
können. Aber das wäre nicht der richtige Zeitpunkt gewesen», meinte
der dreimalige Goldmedaillen-Gewinner der Paralympics in Turin.

   Trotzdem flogen dem querschnittsgelähmten 34-Jährigen aus
Traunstein, der seit Jahren der überragende Monoski-Fahrer ist, die
Herzen der rund 800 Festgäste aus Show, Sport und Politik zu. «Wir
wollen als Sportler ernst genommen werden», sagte der fröhliche und
bescheidene Top-Athlet. Aber zu oft werde die Krankheitsgeschichte
wichtiger genommen, als die sportliche Leistung. Nicht so beim
Laureus-Award, der für Braxenthaler «momentan die Krönung ist».


Erstellt: 03.04.2007 18:00

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