Frankfurter Rundschau WIRTSCHAFT Freitag, 17. Juni 2005 Seite 13

Bahn will Behinderte stärker unterstützen

Transportkonzern legt Programm für den Abbau von Barrieren vor / Neue Ticketautomaten geplant

VON KEYVAN DAHESCH

Die Deutsche Bahn (DB) hat Betroffenen ein Programm vorgestellt, mit dem sie bis 2010 ihre Fahrzeuge und Anlagen behindertengerecht machen

will.

Frankfurt a.M. 16. Juni "Wenn ich auf dem Bahnsteig in Stuttgart stehe, sehe ich neidvoll auf die Schweizer Züge: In jedem Wagen haben

sie einen Rollstuhl-Platz. In den deutschen ICE-Zügen gibt es insgesamt nur zwei", klagt Johann Kreiter. Den Rollstuhlfahrer und andere

Frauen und Männer mit unterschiedlichen Behinderungen, hat die DB eingeladen, um ihnen das nach zwei Jahren intensiver Verhandlungen mit

dem Deutschen Behindertenrat beschlossene Programm für den Abbau von Hindernissen zu präsentieren.

Danach wird die DB nur noch Züge mit Rampen kaufen, die auf Knopfdruck ein- und ausgefahren werden können, damit Rollstuhlfahrer,

gehbehinderte Menschen und Eltern mit Kinderwagen ohne Hilfe ein- und aussteigen können. Die ICE-Züge der ersten Generation erhalten bis

2008 jeweils drei Rollstuhlplätze in der ersten Klasse, die Behinderte auch mit einer Zweite-Klasse-Fahrkarte nutzen dürfen.

Dadurch sollen sie auch das Bord-Restaurant problemlos erreichen können. In den übrigen ICE-Zügen gebe es in der zweiten Klasse für Menschen

im Rollstuhl erreichbare Bistros, sagte die Leiterin der Bahn-Kontaktstelle für behinderte Fahrgäste Ellen Engel. Künftig werden in den

Fahrzeugen die Platz- und Wagennummern, Restaurant- und Toiletten-Türen so gekennzeichnet, dass Blinde sie ertasten können. Alle Bahnhöfe,

die täglich von mehr als 1000 Fahrgästen benutzt werden, sollen Aufzügen sowie für Sehbehinderte deutlich erkennbare Schriftzüge auf

Anzeigetafeln und mit den Füßen fühlbare Leitstreifen bekommen.

Laut Engel sind von den rund 5500 deutschen Bahnhöfen zurzeit 703 nach diesen Kriterien barrierefrei. Sie werden pro Tag von 6,7 Millionen

Fahrgästen benutzt. An 585 Stationen finden Behinderte allerdings gar keine Unterstützung. Die DB konzentriere sich auf die Beseitigung von

Hindernissen in Bahnhöfen mit mindestens 1000 Passagieren täglich.

Zudem wird der Konzern mit Vertretern der Hersteller sowie von blinden-, sehbehinderten-, Rollstuhlfahrer- und Kleinwüchsigenverbänden

Fahrkartenautomaten entwickeln, die auch für diese Menschen erkennbar, erreichbar und benutzbar sind.


Angebot des Autors: Möchten Sie das zwischen dem Vorstand der Deutschen Bahn AG und dem Deutschen Behindertenrat beschlossene Programm zum Abbau von Barrieren für Menschen mit Behinderungen lesen, klicken Sie bitte hier, um es als Zip-Datei herunterzuladen. Bahnprogramm.zip.
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