Anonym und kostenlos - Medizin für Illegale und Bedürftige
Von Yuriko Wahl, dpa

   Köln (dpa) - Quälende Schmerzen in Brust und Rücken - doch Maria geht nicht zum Arzt. Sie lebt ohne Aufenthaltsgenehmigung im Kölner Raum und hat Angst «aufzufliegen». Erst als die Beschwerden unerträglich werden, bittet die Südamerikanerin um medizinische Hilfe, aber da ist es schon zu spät: «Als die Patientin den Pullover auszog, waren die Metastasen schon überall von außen mit bloßem Auge zu sehen. Es ist erschütternd, aber die Frau wird bald sterben, und wir können nur noch versuchen, ihre Schmerzen zu lindern», sagt Internistin Jutta Rönsberg von der Malteser Migranten Medizin (MMM) in Köln.

   Die Ärzte der MMM behandeln kostenlos und unter Wahrung der Anonymität Migranten ohne Papiere und auch viele Deutsche ohne Krankenversicherung. In Berlin gibt es das Angebot seit 2001, vor einem Jahr kam Köln hinzu, es folgten jüngst München, Frankfurt und Darmstadt. Die Patienten kommen aus afrikanischen Ländern, aus
Mittel- oder Südamerika und häufig auch aus Rumänien, der Ukraine oder aus dem Kosovo. In den meisten Fällen halten sie sich illegal in Deutschland auf, erzählt Ärztin Rönsberg. «Die Menschen sind oft in seinem sehr schlimmen Zustand, wenn sie bei uns anklopfen, weil sie ihre Krankheit verschleppt haben und nicht wussten, wohin sie sich wenden sollten.»

   Das Einzugsgebiet der Kölner MMM ist groß. «Die Leute kommen aus Bonn, Düsseldorf, aus dem Ruhrgebiet - und wir sind verblüfft, dass auch immer mehr bedürftige Deutsche unter den Patienten sind», erzählt die ehrenamtliche Kölner Ärztin. Zahnschmerzen, Infektionen, Unfallfolgen, aber auch Schwangerschaften oder schwere Tumorerkrankungen bringen die Patienten in die bundesweit bisher fünf MMM-Praxen. Im Kölner Wartezimmer sitzt auch eine Frau aus Peru, die in der vergangenen Woche wegen großen Andrangs nicht behandelt werden konnte. «Wir sind gekommen, weil hier keine Fragen gestellt werden», erklärt ihr junger Begleiter, der als Dolmetscher einspringt.

   Bisher hat die spendenfinanzierte MMM nach eigenen Angaben mehr als 9000 Menschen geholfen. Nach Schätzungen leben bis zu einer Million Menschen in Deutschland in der Illegalität. Zudem haben 300 000 Deutsche keine Krankenversicherung. «MMM ist dort präsent, wohin staatliche Hilfe nicht reicht, oft bei den Ärmsten und Schutzlosesten», sagt ZDF-Hauptstadtstudioleiter Peter Frey als MMM- Botschafter. «MMM füllt eine Lücke, eine humanitäre Lücke», betont er.

   Das Projekt und mehrere Ärzte wurden bereits mit Auszeichnungen geehrt. Hochrangige Kirchenvertreter - etwa der Kölner Kardinal Joachim Meisner oder der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann - haben Schirmherrschaften für einzelne MMM- Anlaufstellen übernommen. Bei Bedarf überweisen die ehrenamtlichen Mediziner von dort aus an die bundesweit 300 niedergelassenen Fachärzte und mehr als 20 Kliniken weiter, die im Netzwerk eingebunden sind. Diese behandeln dann zu «moderaten» Sätzen weiter.

(Internet: www.malteser-migranten-medizin.de)


Erstellt: 08.01.2007
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