Foto Karl Starzacher
Das Bild zeigt Rechtsanwalt Karl Starzacher im schwarzen Anzug am Rednerpult

Karl Starzacher  23. April 2012

Anni und Keyvan Dahesch

(Es gilt das gesprochene Wort.)

(Liebe Anni,
lieber Keyvan,

vielen Dank für die Einladung zu dieser ganz besonderen Nachgeburtstagsfeier.

In Frankfurt, der Heimatstadt von Anni und Keyvan Dahesch − auch wenn sie jetzt in Bad Homburg wohnen, ist Frankfurt bestimmt ihre Heimatstadt geblieben - .

Und weil es nun einmal eine Geburtstagfeier ist, möchte auch ich sehr herzlich gratulieren, vor allem aber unserer Gastgeberin und unserem Gastgeber alles erdenklich Gute wünschen, viel Glück, Freude und Zufriedenheit, vor allem aber gute Gesundheit!

Kurz soll ich mich fassen, hat Keyvan mir gesagt und mir zu verstehen gegeben, dass Sie, meine Damen und Herren, sich ohnehin lieber miteinander unterhalten als Altbekanntes wiederholt hören zu müssen − jetzt von mir.

Gestatten Sie mir dennoch einige wenige Bemerkungen.

Natürlich würde ich gerne auch von meiner Seite den Versuch einer Würdigung dieser beiden so außergewöhnlichen Lebenswege unternehmen.

Über ihren Umgang mit der persönlichen Behinderung, mit ihrer Art, auf andere zuzugehen, sie zu interessieren und zu überzeugen, ihre Geradlinigkeit und ihre Liebenswürdigkeit, über ihr großherziges Engagement als Stifter.

Es gibt Berichte in Zeitungen und im Internet,

mehr über Keyvan als über Anni Dahesch,

was eigentlich ungerecht ist, denn, so hat Keyvan das vor drei Tagen ausgedrückt,

"ohne ihre − wirklich! − selbstlose und für sie sehr anstrengende Unterstützung wäre aus mir nicht geworden, was ich heute bin.",

also: es gibt Berichte über die Dahesch's,

die ihr Leben und Wirken umfassend würdigen.

Sie, die heute zu dieser Feier gekommen sind und sich − wie ich − zu den Freunden von Anni und Keyvan Dahesch zählen dürfen, wissen das alles oder zumindest vieles davon auch aus ihren persönlichen Begegnungen und Gesprächen, aus eigenem Erleben.

Deshalb will ich mich darauf beschränken, einfach nur - noch einmal - sehr herzlich Danke zu sagen.

In einer − wie ich finde sehr schönen - Würdigung von Anni und Keyvan von Ruth Nitz vom Juni des vergangenen Jahres, in der auch das umfassende ehrenamtliche Engagement Annis und Keyvans, ihre Energie hinsichtlich der Unterstützung anderer Menschen und auch die dafür gewährte öffentliche Anerkennung in Form von zahlreichen Ehrungen geschildert wird, heißt es:

Selbstbewusst, voller Energie und häufig auch kämpferisch schreibt er − Keyvan - über das Leben behinderter Menschen und fordert für die Behinderten "Bürgerrechte statt Almosen".

Für dieses ganz besondere schriftstellerische und journalistische Engagement möchte ich Dir, lieber Keyvan, sehr herzlich danken.

Mit dieser Arbeit − auch 10 Jahre, nachdem er in den "Ruhestand" gegangen ist − erreicht er ein großes Publikum, nicht nur über die Zeitungen und Sender, die er beliefert, sondern auch über das Internet.

Zu diesem journalistischen Engagement hat er mir im Juni 2002 in einem Brief geschrieben:

"Ich werde, nachdem ich das Glück hatte, wegen meiner Behinderung schon mit 60 in Pension gehen zu können und nicht mit dem Rest des Landesversorgungsamtes nach Gießen fahren zu müssen, weiterhin journalistisch tätig bleiben. Vielleicht kann ich ja − wenn in dieser Spaßgesellschaft noch ein Medium an sozialpolitischen Beiträgen interessiert bleibt, etwas bewegen."

"Etwas bewegen" - Das tust Du, lieber Keyvan, in mehrfacher Weise.

Zum einen dadurch, dass Du beispielsweise mit Deinen Berichten über Menschen mit Behinderungen, wie Du selbst es beschrieben hast, belegst, "welche Fähigkeiten und Leistungen Menschen auch mit schwerster Behinderung entfalten, wenn sie die Chance dazu bekommen.

Sie wollen kein Geschenk, sondern das uneingeschränkte Recht auf Teilhabe an Arbeit, Beruf und Gesellschaft."

Anni und Keyvan selbst sind dafür ja gute Beispiele!

An dieser Stelle wollte ich sagen:

Ich freue mich sehr, dass eine Persönlichkeit, auf die das ebenfalls in beispielhafter Weise zutrifft, heute Abend unter uns ist, der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof Dr. Hans-Eugen Schulze, der am 10. April seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. Aber leider ist Hans-Eugen Schulze (noch) nicht gekommen.

Um noch einmal Keyvan Dahesch zu zitieren:

"Menschen mit schweren Handicaps wie Hans-Eugen Schulze und andere (in dem Bericht, aus dem ich zitiere, einem Beitrag für das Bildungswerk Hochtaunus,) beispielhaft genannte Frauen und Männer widerlegen mit bewundernswerten Leistungen das Vorurteil: "behindert = leistungsgemindert".

Für diese − für viele Menschen leider nicht selbstverständliche - Klarstellung danken wir Dir.

Zum anderen bewegst Du etwas, lieber Keyvan, weil Du durch Deine Beiträge, durch die Auswahl Deiner Themen, durch die gute Art Deines Schreibens nicht nur Vorurteile widerlegst sondern auch Themen in das öffentliche Bewusstsein bringst, die der besonderen Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Politik bedürfen.

Auch dafür danken wir Dir sehr herzlich.

Schließlich hilfst Du mit Deinen Beiträgen, vielen Menschen, die nicht behindert sind, ihre − natürliche - Unsicherheit im Umgang mit behinderten Menschen zu überwinden. Das ist wichtig, für alle Beteiligten.

Und auch dafür gebührt Dir unser Dank!

Noch 2 kurze Bemerkungen möchte ich anschließen. Oder besser 3!

Die 1.Bemerkung:

Vieles an Anni und Keyvan, fast alles, ist ungewöhnlich. Oder besser: besonders!

Das gilt auch für Keyvans Umgang mit der Sprache. Dazu darf ich aus einem Brief der Gesellschaft für deutsche Sprache vom 16. März 1994 an Keyvan zitieren:

"Obwohl Ihre Muttersprache nicht Deutsch ist, - so heißt es da - bedienen Sie sich dieser Sprache so souverän und selbstverständlich, dass sich viele Journalisten ein Beispiel daran nehmen könnten − wenn sie's nur täten!"

Für diesen, zunehmend nicht mehr gewöhnlichen oder allgemein üblichen sorgfältigen Umgang mit der deutschen Sprache bin ich Dir sehr dankbar.

Die 2.Bemerkung:

Eure Website: Die Website von Anni und Keyvan Dahesch ist wie ein bunter Garten, in dem man sich wohl fühlt und lange bleiben möchte.

Politik, Philosophie, soziale Fragen: wer an diesen Themen interessiert ist, für den ersetzt diese Website fast eine eigene Bibliothek.

(Besucher dieser Website bis heute Mittag um 12,06 Uhr:

Vielen Dank für diesen schönen, bunten Garten!

Und schließlich die 3. und letzte Bemerkung:

Mit der Gründung der Anni und Keyvan Dahesch-Stiftung und mit dem großen Engagement, diese Stiftung weiter zu entwickeln, wachsen zu lassen, habt Ihr ein herausragendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements gegeben.

Im Zusammenhang mit der Gründung der Stiftung hat Keyvan gesagt, er wolle damit sein berufliches Ethos verwirklichen. Denn nach dem ehernen Grundsatz ihres Berufes sollen Journalistinnen und Journalisten Probleme nicht nur schildern, sondern auch selbst zu ihrer Beseitigung beitragen.

Und ich darf noch einmal Keyvan Dahesch zitieren:

"Und wir wollen etwas zurückgeben von dem, was uns in all den Jahren an Gutem widerfahren ist, und so Behinderten den Alltag erleichtern.

Eine Brücke schlagen zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen.

Wir hatten unsere Chance; andere sollen sie auch haben.

Wir haben keine Kinder. Wenn man so will, ist die Stiftung unser Kind."

Dafür und für alles andere, was Ihr an so Positivem, an Gutem getan habt und weiter tut, zolle ich Euch meinen allergrößten Respekt!

Herzlichen Dank dafür!

Ich bin sehr froh und stolz, dass Ihr mich zu Euren Freunden zählt!


Erstellt: 30.04.2012 17:43   Aktualisiert: 30.04.2012 17:47

Autor: Karl Starzacher

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